Colonie Hudermoor

Kurz nach der Gründung des Vereins Historische Kulturlandschaften im Oldenburger Land e.V. 2019 haben sich die Mitglieder 2020 mit der kleinen, eher unbekannten Landschaft „Hudermoor“ als Pilotprojekt auseinandergesetzt.

Foto: Dr. Ingrid Jaquemotte

Noch an ihrem heutigen Erscheinungsbild ist die ältere Entstehungsgeschichte dieser Mitte des 18. Jahrhunderts in einem Geestrandmoor entstandenen Colonie Hudermoor gut ablesbar: Die Anlage der Höfe, das zur Entwässerung angelegte, ursprüngliche Grabensystem, die Heckenstrukturen, die vorhandenen Bodenwellen und die Wege auf erhabenen Torfbänken sind in großen Teilen erhalten und lassen Rückschlüsse auf die planmäßige Besiedlung und Kultivierung des Moores Mitte des 19. Jahrhunderts zu. Hier ist es möglich, „Landschaft und ihre Geschichte lesen“ zu lernen.

Zwei weitere Moorsiedlungen im Oldenburger Land, der Hollerkolonie Moorriem (entstanden im 11./12. Jh. entlang einer ca. 10 km langen Straße) und der Fehnsiedlung Elisabethfehn (entlang eines neuangelegten Fehnkanals in der 2. Hälfte des 19. Jh.) gehören zu den historischen Kulturlandschaften mit landesweiter Bedeutung.

Foto: Dr. Ingrid Jaquemotte

Die Colonie Hudermoor wurde ab 1850 planmäßig im Moor angelegt, um das bis dahin ungenutzte Moor für die Besiedlung und damit auch als Nahrungsgrundlage zu erschließen. Hier erfolgte die Besiedlung nicht entlang einer Straße wie bei den Hollersiedlungen ab dem 11. Jh. oder eines Kanals wie in den ab dem 17. Jh. entstandenen Fehnsiedlungen. Die gleichgroßen, quadratisch vermessenen Parzellen wurden entlang mehrerer parallel verlaufenden Straßen angelegt. Mit dieser dritten Art der Moorbesiedlung reiht sich die Colonie Hudermoor in die Reihe unterschiedlicher Moorbesiedlungsformen im Oldenburger Land ein, die heute noch in der Landschaft ablesbar sind. Damit erlangt die Colonie Hudermoor mindestens regionale, evtl. sogar auch landesweite Bedeutung. Sie sollte als solche auch Eingang in die regionale Raumordnung und die Landschaftsrahmenplanung finden und in der gemeindlichen Entwicklungsplanung berücksichtigt werden. Ob auch eine landesweite Bedeutung vorliegt, bedarf noch einer weiteren Abwägung gegenüber weiterer Moorkolonien auf Landesebene.

Workshops Hudermoor

Zu Beginn des Jahres 2020 hat sich der Verein in einem zweiteiligen Workshop mit verschiedenen Fragestellungen zur Colonie Hudermoor befasst. Zum Teilnehmerkreis dieses Citizen-Science- Projektes gehörten Vereinsmitglieder, mehrere interessierte Bewohner der Landschaft und einige Fachleute.

Gemeinsam mit Teilnehmern der Workshops ist eine Arbeitsgruppe in Hudermoor unter Leitung von Vereinsmitgliedern entstanden, der sich auch weiterhin mit den die Ortschaft betreffenden Themen beschäftigt. Aktuell wird an einem neuen Buch über die Entwicklung Hudermoors gearbeitet.

Ergebnisse

Die Arbeitsergebnisse der Workshops wurden in mehreren Rollups über die Colonie Hudermoor und ihrer Geschichte zusammengefasst, die seit 2023 im Foyer der Gemeindeverwaltung ausgestellt sind.

Außerdem wurden die Ergebnisse in einem Vortrag im Klostermuseum Hude vorgestellt und sind in einem Beitrag von Carola Becker in der Zeitschrift „Kulturland Oldenburg“, Ausgabe 2.2021 der Oldenburgischen Landschaft (2.2021, Nr. 188, S. 50-53) veröffentlicht.

Bei Fragen erreichen Sie uns unter info@hkl-ol.de