Ausgangssituation

Ausgangssituation Mitte des 19. Jahrhunderts im Oldenburger Land

Die Bevölkerung des Landes nahm in den Geestdörfern von 1750 bis 1810 bis zu 70 % zu. Viele Menschen suchten eine neue Existenz in Amerika. Das steigende Bevölkerungswachstum erforderte die Erschließung weiterer Siedlungsräume, wie z.B. Moorflächen und Ödländereien und soweit möglich, eine Intensivierung der Landwirtschaft.

In der Gemeinheit, den bis dahin von der Dörfern gemeinschaftlich genutzten Flächen, wurden Plaggen gestochen, um sie als Einstreu in den Ställen zu nutzen und später als Dünger auf die Äcker auszubringen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden damit begonnen, die bis dahin gemeinschaftlich genutzten Gemeinheiten und Marken zu teilen und in Privateigentum zu überführen, um die Ausnutzung der Flächen zu steigern. Damit entfiel in vielen Bereichen der Plaggenhieb in der Gemeinheit, so dass sich auch das Düngerangebot verringerte.

Durch eine ganzjährige Stallhaltung konnte nicht nur die Produktivität der Viehhaltung, auch der vermehrt anfallende Dung stand wiederum für die Düngung von Ackerflächen zur Verfügung. Voraussetzung dafür war aber eine möglichst ergiebige Futtergewinnung auf den Wiesen.

Quelle: Bildarchiv Karsten Grashorn

Im breiten Tal der unteren Hunte zwischen Dötlingen und Oldenburg gab es viele Grünländereien. Die Hunte verlief hier mit vielen Mäandern. Erste, bereits eingeleitete Hunteregulierungen führten teilweise zur Entwässerung von Flächen, die einen rapiden Rückgang der Ernteerträge nach sich zog. Gleichzeitig beklagte sich bereits 1854 der „Oldenburgische Handels- und Gewerbeverein“ über ständig sich wiederholende Überschwemmungsschäden an der Hunte.

Mit den traditionellen Methoden war eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion nicht zu erreichen. Dagegen wurde die Wiesenbewässerung zur Ertragssteigerung in Deutschland bereits im Mittelalter urkundlich erwähnt und Kenntnisse über diese Bewirtschaftung waren bereits im 15. Jahrhundert weit verbreitet.

So entstanden auch im Oldenburger Land die ersten Überlegungen für die Einrichtung von Rieseleianlagen. Sie wurden in vielen Fluss- und Bachniederungen eingerichtet. Das größte zusammenhängende Rieseleigebiet entstand an der Hunte zwischen Dötlingen und Oldenburg.

Nähere Informationen über die Rieselei an der Hunte finden Sie auf den folgenden Seiten:

Gründung von Rieseleigenossenschaften an der Hunte
Die Dötlinger Ent- und Bewässerungsgenossenschaft
Das System der Rieselei
Betrieb der Rieselei
Folgen der Rieseleiwirtschaft
Ende der Rieseleiwirtschaft
Relikte in der heutigen Zeit
Projektziele
Quellen

„Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“

An der Queich in Rheinland-Pfalz wird noch heute die Bewässerung von Wiesen regelmäßig betrieben. Die UNESCO hat die „Traditionelle Bewässerung: Wissen, Technik und Organisation“ 2023 zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ erklärt. Gegenstand des Kulturerbe-Titels ist „die landwirtschaftliche Kulturtechnik, die auf einem über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegebenen Wissen beruht. Nur durch die Anwendung und Weitergabe dieser Praxis kann dieses Kulturerbe weiter Bestand haben.“

Näheres ist auf der Seite Internetseite für die Queichwiesen beschrieben.